Interview mit Ingrid Faßwald

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Interview mit dem Chormitglied Ingrid Faßwald, der Initiatorin des Langenwanger Dirndls.
Das Gespräch wurde im Anschluss an die Präsentation des Langenwanger Dirndls durchgeführt.



Liebe Ingrid, wie bist du eigentlich auf die Idee zum Langenwanger Dirndl gekommen?
Das Jahr 2005 wurde von der Kulturabteilung der Steiermärkischen Landesregierung zum „Jahr der Volkskultur“ ernannt.  Aus diesem Grund habe ich mir vorgestellt, wir sollten seitens unseres Chores in diesem Jahr etwas Besonderes und wirklich „Einmaliges“ durchführen. Und so kam mir in der Nacht vom 17. auf den 18. Februar 2005 der Gedanke: „Was wäre, wenn unsere Marktgemeinde auf ein eigenes „Langenwanger Dirndl“ verweisen könnte?“



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Wann habt ihr damit begonnen, von der Idee zur praktischen Umsetzung zu kommen?
Nachdem ich Johanna Flecker und Rosemarie Eichmon von meiner Idee erzählt habe, haben wir im Februar 2005 erstmals Kontakt mit dem Steirischen Heimatwerk Graz aufgenommen. Wir drei Damen wurden am 11. 3. 2005 bei Frau Thalhammer in Graz vorstellig und gemeinsam haben wir versucht, das „Langenwanger Dirndl“ zu erneuern. „Erneuern heißt hier aber nicht, etwas Bestehendes zu ändern – nein – es wird wirklich ein neues Kleidungsstück „geboren“.
Da die Steiermark reich an echten Dirndln ist, war es für uns zu Beginn relativ schwierig, ein charakteristisches und einzigartiges Merkmal für unser Dirndl zu finden und sind nun stolz, dass uns das gelungen ist.

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Wie haben die Damen im St. Andreas Chor darauf reagiert?
Die Mimik unserer Damen im Chor, als wir ihnen davon erzählt haben, wäre eigentlich fotoreif gewesen: Frau Johanna Flecker hat sie über den bevorstehenden Neuzugang eines Dirndls in absehbarer Zeit informiert – die Chordamen glaubten daraufhin, dass wir damit eine neue Sängerin im Chor erwarteten.
Nachdem dieser Irrtum aufgeklärt wurde, war die Freude über unseren „Neuzugang“ in Form eines Dirndls riesengroß und wir beide wurden mit unzähligen Fragen überhäuft.
Dies war für mich eine große Erleichterung – denn eine neue Tracht wird vom Steirischen Heimatwerk nur dann genehmigt, wenn es durch eine große Gruppe von Damen der Bevölkerung vorgestellt wird.
Sehr schön war es für uns auch, dass sich fast alle Chormitglieder die Zeit nehmen konnten, ihr Dirndl selbst zu nähen.

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Was waren eigentlich die größten Herausforderungen bei dem „Unternehmen Dirndl“?
Die größte Herausforderung für mich war das Nähen eines „Musterdirndls“: für eine offiziell anerkannte steirische Tracht ist  es notwendig, vorab ein solches Musterdirndl zu nähen: Rosemarie Eichmon und ich übernahmen diese Aufgabe, nähten unser Dirndl und wurden damit am 21. 4. 2005  im Steirischen Heimatwerk Graz vorstellig.
Frau Thalhammers Blicke wanderten von der Rock- und Schürzenlänge über den handgezogenen Kittel bzw. die handgezogene Schürze. Im Anschluss daran wurden die handgenähten Knopflöcher sowie die Rollierung an Arm- und Halsausschnitt  genau kontrolliert.

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Wann ist euch der Gedanke gekommen, dieses Dirndl im Rahmen eines Konzerts der Öffentlichkeit zu präsentieren?
Da der Arbeitsaufwand für das Dirndl sehr intensiv war, wollten wir dieses „neue Stück Langenwang“  nicht nur über die Medien der Bevölkerung vorstellen, sondern haben uns entschlossen, das Langenwanger Dirndl an einem geschichtsträchtigen Ort, und zwar auf der Burgruine Hohenwang, im Rahmen eines Konzertes zu präsentieren. Zur Aufführung kam unter anderem das Werk „Die Launige Forelle“, komponiert von unserem früheren Chorleiter Franz Schöggl.

Wie liefen die Vorbereitungen für das Konzert und die Präsentation?
Die Vorbereitungen liefen im Allgemeinen sehr gut – das Wichtigste für mich war aber die Fertigstellung unserer Dirndl bis zum Fototermin am 14. Juli 2006 auf der Burg Hohenwang.
Unser Fotograf Peter Ofenbacher nutzte das Kaiserwetter an diesem Tag sowie das wunderschöne Ambiente aus, um uns Damen mit unseren neuen Dirndln gekonnt ins rechte Licht zu rücken.
Betreffend der musikalischen Darbietungen unsererseits war natürlich intensive Probenarbeit notwendig. Von Mai bis September wurde regelmäßig 2 mal wöchent- lich geprobt.

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Was waren – rückblickend – für dich die schönsten Momente der Vorbereitung und der Präsentation des Langenwanger Dirndls?
Erstens war es für mich eine große Freude, dass alle Damen unseres Chores sofort bereit waren, sich ein Langenwanger Dirndl anzueignen. Der wohl schönste Moment während der Vorbereitungen für mich war aber der 21. April 2006: um genau 9.30 Uhr erhielten wir von Fr. Thalhammer vom Steirischen  Heimatwerk Graz die Genehmigung, dass unser Langenwanger Dirndl ab sofort offiziell als Steirische Frauentracht anerkannt wird.
Bei der Präsentation auf Burg Hohenwang waren es die überaus fröhlich gestimmten Besucher, welche unserer Einladung bei traumhaftem Herbstwetter auf die Burg gefolgt sind, und die dadurch auch wesentlich zu einer gelungen Veranstaltung beigetragen haben. Zum positiven Ablauf dieser Veranstaltung haben natürlich auch die SchülerInnen und LehrerInnen der Musikschule Langenwang durch das Vortragen von schöner Instrumentalmusik sowie die vielen freiwilligen HelferInnen beigetragen.

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Welche Gefühle hattet ihr, als euer „großer Auftritt“ bei strahlendem Wetter auf der Burg Hohenwang kam?
Da wir unser Dirndl  bis zu diesem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit nicht zeigen durften, konnten wir es kaum erwarten, unser Geheimnis am 1. 10. 2005 zu lüften. Es herrschte große Spannung und natürlich auch Stolz bei allen Chormitgliedern. Auch die Herren unseres Chores waren von uns begeistert, als wir das Areal der Burg mit unseren neuen Dirndln betraten.
Nach dem Verklingen des Langenwanger Jodlers - der heimlichen "Langenwanger Hymne" - nahmen wir unter kräftigem Applaus unserer ca. 350 Gäste auf der Bastei Aufstellung. Nach einer Begrüßung durch Herrn Dr. Gilbert Flecker, welcher diese Veranstaltung moderierte, durfte ich – natürlich spannungsgeladen – die Präsentation unseres Dirndls vornehmen. Im Anschluss daran folgte unter größter Konzentration der Chormitglieder unser Konzert.

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Was sind eure weiteren Pläne für das Langenwanger Dirndl?
Es gibt von Seiten des St. Andreas-Chores viele gute Ideen, um auf das Langenwanger Dirndl in Zukunft aufmerksam zu machen. Wir hoffen außerdem, dass unser Langenwanger Dirndl nicht nur in unserer Marktgemeinde beheimatet bleibt, sondern auch über die Grenzen von Langenwang hinaus getragen wird. Wenn auch Sie, sehr geehrte Leserinnen, sich für ein Langenwanger Dirndl interessieren, wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an das Steirische Heimatwerk in Graz bzw. an die Firma Trachten Ziegler in Etmißl. An dieser Stelle möchte ich beiden Firmen recht herzlich für Ihre fachkundige Unterstützung danken.

Danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit dem Langenwanger Dirndl!